Stillkissen, gefaltete Babydecke und ein Fläschchen Massageöl auf hellem Leinen als Sinnbild für Massage nach der Geburt

Massage nach der Geburt - was dein Körper im Wochenbett wirklich braucht

Eine Massage nach der Geburt kann vieles auffangen, was in den ersten Monaten mit Baby liegen bleibt: den verspannten Nacken vom Stillen, den müden unteren Rücken, schmerzende Handgelenke und eine Erschöpfung, die tiefer sitzt als der Schlafmangel. Sanfte Behandlungen an Nacken, Schultern, Händen und Füßen sind oft schon im Wochenbett möglich, eine Ganzkörpermassage meist nach der Abschlussuntersuchung beim Frauenarzt.

Was mich an diesem Thema ehrlich gesagt ärgert: Neun Monate lang wird eine schwangere Frau umsorgt. Vorsorgetermine, Geburtsvorbereitung, Ratschläge von allen Seiten, Schwangerenmassage. Dann kommt das Kind, und von einem Tag auf den anderen dreht sich alles um das Baby. Die Hebamme kommt in den ersten Wochen, nach sechs bis acht Wochen gibt es die Abschlussuntersuchung, und danach wird stillschweigend erwartet, dass die Frau wieder funktioniert.

Dabei ist der Körper nach der Geburt in einem Ausnahmezustand, der weit über die ersten Wochen hinausreicht. Und die Frau, die gerade alles gibt, bekommt selbst am wenigsten.

Was eine Massage nach der Geburt ist

Eine Massage nach der Geburt, oft auch Wochenbettmassage genannt, ist eine sanfte, an die Zeit nach der Entbindung angepasste Massage für die Mutter. Sie richtet sich an die Bereiche, die Stillen, Tragen und Schlafmangel am stärksten belasten: Nacken, Schultern, Rücken, Arme, Hände und Beine. Lagerung, Druck und Öl werden an den veränderten Körper angepasst.

Sie ist keine Rückbildungsgymnastik und ersetzt auch nicht die Nachsorge durch die Hebamme. Den Beckenboden kräftigt sie nicht, und eine Kaiserschnittnarbe behandelt sie nicht. Was sie kann, ist etwas, das in dieser Zeit erstaunlich selten vorkommt: Eine Stunde lang kümmert sich jemand ausschließlich um dich.

Wo es nach der Geburt am meisten zieht

Der Körper hat neun Monate lang umgebaut, Platz geschaffen, Gewicht getragen und dann eine Geburt gestemmt. Eine Erholungsphase folgt darauf nicht, es geht direkt in die nächste Dauerbelastung. Die Stellen, an denen sich das zeigt, sind bei fast allen Müttern dieselben.

Nacken und Schultern: die Stillhaltung

Stillen, Fläschchen geben, Wickeln, das Baby in den Schlaf schaukeln: Fast alles passiert mit nach vorne gezogenen Schultern und gesenktem Kopf. Dazu kommt der Blick nach unten aufs Kind, stundenlang, Tag und Nacht. Die Brustmuskulatur verkürzt sich, der obere Rücken wird überdehnt, und der Nacken trägt den Kopf in einer Position, für die er nicht gemacht ist. Viele Mütter bekommen genau daraus Kopfschmerzen, wie ich sie im Beitrag über Spannungskopfschmerz aus dem Nacken beschrieben habe.

Hier helfen klassische Griffe am besten: Knetungen an Nacken und Schulterblättern, lange Ausstreichungen entlang der Wirbelsäule und eine sanfte Arbeit an der vorderen Brustmuskulatur, damit sich die Schultern wieder öffnen dürfen.

Unterer Rücken und Becken

In der Schwangerschaft lockern Hormone die Bänder, damit sich das Becken für die Geburt weiten kann. Diese Lockerheit verschwindet nicht über Nacht. Es kann Monate dauern, bis Bänder und Gelenke wieder ihre alte Festigkeit haben, und solange muss die Muskulatur im unteren Rücken mehr Halteleistung bringen als sonst. Gleichzeitig ist die Bauchmuskulatur noch geschwächt, oft klafft sie in der Mitte auseinander (Rektusdiastase). Der Rücken arbeitet also für zwei.

Deshalb arbeite ich in dieser Zeit am unteren Rücken und am Becken bewusst sanft. Lockern ja, kräftig mobilisieren oder dehnen nein. Die Gelenke brauchen jetzt eher Halt als noch mehr Beweglichkeit.

Hände und Handgelenke: der Mama-Daumen

Ein Thema, das kaum jemand auf dem Schirm hat, bis es wehtut: Schmerzen an der Daumenseite des Handgelenks, die beim Hochheben des Babys einschießen. Umgangssprachlich heißt das Mama-Daumen, medizinisch Tendovaginitis de Quervain, benannt nach dem Schweizer Chirurgen Fritz de Quervain. Die Sehnen des Daumens laufen dabei durch eine gereizte, enge Sehnenscheide. Bei frischen Müttern kommt beides zusammen, hormonbedingt geschwollenes Gewebe und hundertfaches Hochheben am Tag, mit dem Daumen weit abgespreizt.

Eine Behandlung von Unterarm und Hand entlastet die Muskulatur, die diesen Daumen ständig mitbewegen muss. Die entzündete Stelle selbst wird nicht kräftig massiert. Und ein Tipp, der oft mehr bringt als jede Massage: das Baby öfter mit der ganzen Hand und unter den Armen hochnehmen, statt es zwischen Daumen und Fingern zu greifen.

Beine und Wassereinlagerungen

Viele Frauen haben nach der Geburt noch dicke Beine und Füße. Der Körper baut die eingelagerte Flüssigkeit in den ersten Wochen von selbst ab, meist merkst du das an häufigem Wasserlassen und starkem Schwitzen in den ersten Tagen. Sanfte Ausstreichungen Richtung Herz können sich gut anfühlen. Wie viel sanfte entstauende Techniken wirklich leisten und wo ihre Grenzen liegen, habe ich im Beitrag über Lymphdrainage aufgeschrieben.

An den Beinen gilt nach der Geburt aber besondere Vorsicht, dazu weiter unten mehr.

Wenn du nur noch gibst: Berührung für dich

Ich halte diesen Teil für den wichtigsten, auch wenn er in keiner Checkliste steht. Eine frische Mutter wird ständig berührt. Das Baby liegt auf ihr, trinkt an ihr, schläft auf ihr, will getragen werden. Das ist schön und gleichzeitig ein Zustand, in dem Berührung fast nur noch mit Geben verbunden ist. Viele Mütter kennen das Gefühl, abends niemanden mehr spüren zu wollen, auch nicht den eigenen Partner. Im Englischen gibt es dafür sogar einen eigenen Ausdruck: "touched out", sinngemäß "überberührt".

Eine Massage dreht das um. Du liegst da, und es kommt etwas bei dir an, ohne dass du etwas zurückgeben musst. Warum fremde Hände dabei etwas anderes auslösen als die eigenen, habe ich im Beitrag über Selbstberührung und Fremdberührung beschrieben, und was Berührung hormonell tatsächlich bewirkt, steht in meinem Beitrag Was Massage hormonell wirklich tut.

Dazu kommt die Psyche. Nach der Geburt fallen die Schwangerschaftshormone innerhalb weniger Tage steil ab. Ein paar Tage Weinerlichkeit und Dünnhäutigkeit, der sogenannte Baby Blues, erleben sehr viele Frauen, und er geht von allein vorbei. Hält die Niedergeschlagenheit aber über Wochen an, kommen Angst, innere Leere oder das Gefühl dazu, keine Bindung zum Kind zu spüren, kann das eine Wochenbettdepression sein. Sie betrifft etwa jede zehnte Mutter, und sie ist behandelbar. Was sie von der normalen Erschöpfung unterscheidet, habe ich im ersten Teil meiner Reihe über Depression erklärt.

Eine Massage kann in dieser Zeit guttun und entlasten. Eine Wochenbettdepression behandelt sie nicht. Wenn du dich in diesen Zeilen wiedererkennst, sprich bitte mit deiner Hebamme oder deinem Arzt.

Ab wann ist eine Massage nach der Geburt möglich?

Eine feste Regel gibt es nicht, weil jede Geburt anders verläuft. Als Orientierung hat sich für mich diese Abfolge bewährt:

  1. Die ersten Tage: Ruhe hat Vorrang. Wer mag, lässt sich vom Partner die Füße oder Hände streicheln, mehr braucht es noch nicht.
  2. Im Wochenbett (bis etwa sechs bis acht Wochen nach der Geburt): Nach einer komplikationslosen Geburt sind sanfte Behandlungen von Nacken, Schultern, Armen, Händen und Füßen meist gut möglich, im Sitzen oder in Seitenlage. Sprich das vorher mit deiner Hebamme ab.
  3. Nach der Abschlussuntersuchung beim Frauenarzt: Jetzt geht auch eine Ganzkörpermassage mit normalem Druck. Den Bauch behandle ich sanft und nur, wenn die Gebärmutter sich gut zurückgebildet hat. Mehr dazu, was eine Bauchmassage bewirkt, steht in einem eigenen Beitrag.
  4. Nach einem Kaiserschnitt: Nacken, Schultern, Rücken, Arme und Beine sind möglich, sobald du bequem liegen kannst. Der Bauch bleibt ausgespart, bis die Narbe vollständig verheilt ist und dein Arzt einverstanden ist.

Wann du lieber noch wartest

Das Risiko für eine Thrombose ist in den ersten sechs Wochen nach der Geburt um ein Vielfaches höher als sonst und bleibt bis etwa zur zwölften Woche erhöht. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein Grund, die Beine in dieser Zeit nie kräftig zu bearbeiten.

Bitte lass dich in diesen Fällen nicht massieren und geh zuerst zum Arzt:

  • ein Bein einseitig geschwollen, warm, gerötet oder schmerzhaft ist
  • du Fieber hast
  • eine Naht oder Narbe nicht gut heilt, nässt oder sich entzündet
  • du stärker blutest als in den Tagen davor
  • deine Brust hart, heiß und gerötet ist (Verdacht auf Brustentzündung)
  • dein Blutdruck nach der Geburt erhöht ist

Es gibt Dinge, die ich bei einer Massage nach der Geburt bewusst nicht mache: eine gezielte Narbenbehandlung nach Kaiserschnitt und die Arbeit an einer Rektusdiastase. Das gehört in die Hände von Hebamme oder Physiotherapie mit entsprechender Ausbildung, und ich halte nichts davon, wenn Masseure sich solche Themen einfach zutrauen.

Andere Kulturen nehmen das Wochenbett ernster

In vielen Teilen der Welt gelten die ersten rund vierzig Tage nach der Geburt als geschützte Zeit für die Mutter. In Mexiko und anderen Ländern Lateinamerikas heißt sie la cuarentena. Zum Abschluss gibt es dort ein Ritual mit dem Rebozo, einem langen gewebten Tuch, in das die Frau nach Massage und Wärme eingewickelt wird, als würde der Körper wieder zusammengefügt. In Indien gehören im Wochenbett nach ayurvedischer Tradition regelmäßige warme Ölmassagen dazu. In China gibt es Zuo Yue Zi, wörtlich "den Monat sitzen", eine Zeit mit strengen Regeln zu Ruhe und Ernährung.

Nicht alles an diesen Bräuchen ist medizinisch haltbar, und ich will sie auch nicht nachspielen. Aber sie haben uns etwas voraus: Sie behandeln die Mutter als jemanden, der selbst gerade etwas Großes hinter sich hat. Bei uns bekommt sie eine Nachuntersuchung und einen Termin für die Rückbildungsgymnastik.

So läuft die Massage nach der Geburt bei mir ab

In meinem Studio in Traunstein beginne ich mit einem kurzen Gespräch: Wie lange ist die Geburt her, wie ist sie verlaufen, Kaiserschnitt oder nicht, stillst du, wo zieht es am meisten? Danach entscheide ich, was wir behandeln und wie du liegst.

Die meisten Frauen liegen in Seitenlage mit Kissen zwischen den Knien und im Arm, das entlastet Brust, Bauch und Becken. Ich nehme ein neutrales Öl ohne ätherische Duftstoffe, weil dein Baby dich am Geruch erkennt und nicht nach Lavendel riechen muss. Eine Stillpause ist jederzeit möglich. Wenn du dein Baby mitbringen möchtest, sag mir das bei der Buchung, dann planen wir die Zeit großzügiger. Und wenn du schon mal da bist: Eine Babymassage für dein Kind lässt sich gut damit verbinden, zusammen gibt es beides günstiger im Paket Mama & Baby.

Weil ich auch Schwangere massiere, weiß ich, wie sehr sich ein Körper in dieser Zeit verändert, und genau das ist der Unterschied zu einer normalen Wellnessmassage: Ich nehme Rücksicht auf das, was gerade heilt, und ich nehme mir die Zeit, die das braucht.

Und falls du diesen Beitrag liest, weil jemand in deinem Umfeld gerade ein Baby bekommen hat: Ein Massage-Gutschein ist eines der wenigen Geschenke zur Geburt, das nicht für das Baby ist.


Du hast gerade ein Baby bekommen und merkst, dass du selbst zu kurz kommst?

Dann melde dich. Ich schaue mit dir, was jetzt schon geht und was noch warten sollte.


Meine Zusammenfassung

Nach der Geburt ist der Körper nicht fertig, er fängt gerade erst mit der nächsten Aufgabe an. Nacken und Schultern tragen die Stillhaltung, der untere Rücken hält ein Becken, dessen Bänder noch locker sind, die Hände heben ein Baby hundertmal am Tag. Eine Massage nach der Geburt setzt genau dort an, sanft, gut gelagert und mit Rücksicht auf alles, was noch heilt.

Im Wochenbett geht meist schon mehr, als viele Frauen denken: Nacken, Schultern, Hände und Füße. Den Rest nach der Abschlussuntersuchung. Die Beine nie kräftig, den Bauch erst, wenn alles verheilt ist, und bei Warnzeichen zuerst zum Arzt.

Und vielleicht das Wichtigste: Du darfst dich in dieser Zeit selbst wichtig nehmen. Eine Mutter, die zwischendurch auftanken kann, hat ihrem Kind mehr zu geben als eine, die nur noch durchhält.

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an einen Arzt, Heilpraktiker oder approbierten Therapeuten.

Häufige Fragen

Was ist eine Massage nach der Geburt?

Eine Massage nach der Geburt, oft auch Wochenbettmassage genannt, ist eine sanfte, an die Zeit nach der Entbindung angepasste Massage für die Mutter. Sie richtet sich an die Bereiche, die Stillen, Tragen und Schlafmangel am stärksten belasten: Nacken, Schultern, oberer und unterer Rücken, Arme, Hände und Beine. Lagerung, Druck und Öl werden an den Körper der Mutter angepasst, der Bauch wird erst behandelt, wenn alles gut verheilt ist.

Ab wann darf man sich nach der Geburt massieren lassen?

Sanfte Behandlungen an Nacken, Schultern, Armen, Händen und Füßen sind nach einer komplikationslosen Geburt oft schon im Wochenbett möglich, also in den ersten sechs bis acht Wochen. Sprich das vorher mit deiner Hebamme ab. Eine Ganzkörpermassage mit normalem Druck und eine sanfte Bauchmassage kommen in der Regel nach der Abschlussuntersuchung beim Frauenarzt infrage, wenn Gebärmutter und eventuelle Geburtsverletzungen gut verheilt sind.

Darf ich nach einem Kaiserschnitt massiert werden?

Ja, aber mit Einschränkungen. Nacken, Schultern, Rücken, Arme und Beine können meist behandelt werden, sobald du bequem liegen kannst, am besten in Seitenlage mit Kissen. Der Bauch bleibt ausgespart, bis die Narbe vollständig verheilt ist und dein Arzt grünes Licht gibt. Eine gezielte Narbenbehandlung gehört in die Hände von Hebamme oder Physiotherapie mit entsprechender Ausbildung.

Kann ich mich massieren lassen, wenn ich stille?

Ja, Stillen spricht nicht gegen eine Massage. Viele stillende Frauen liegen wegen der vollen Brust ungern auf dem Bauch, deshalb ist die Seitenlage oder eine gut gepolsterte Lagerung angenehmer. Ein neutrales Öl ohne ätherische Duftstoffe ist sinnvoll, weil Babys sich stark am Geruch der Mutter orientieren. Wenn bei tiefer Entspannung Milch fließt, ist das normal, ein Handtuch oder eine Stilleinlage reicht.

Hilft Massage gegen Rückenschmerzen nach der Geburt?

Massage kann Rückenschmerzen nach der Geburt spürbar lindern, vor allem wenn sie von verspannter Muskulatur kommen. Die vorgebeugte Haltung beim Stillen, Tragen und Wickeln belastet Nacken und oberen Rücken, der untere Rücken muss ein Becken stabilisieren, dessen Bänder noch locker sind. Sanfte Knetungen und Ausstreichungen lösen die Spannung. Gegen die Ursache helfen zusätzlich Rückbildungsgymnastik und eine bewusste Stillhaltung. Bei starken oder ausstrahlenden Schmerzen bitte ärztlich abklären lassen.

Wann sollte man nach der Geburt nicht massiert werden?

Keine Massage bei Fieber, bei Verdacht auf eine Thrombose (ein Bein ist einseitig geschwollen, warm, gerötet oder schmerzt), bei Wundheilungsstörungen, starken Blutungen, einer Brustentzündung oder Bluthochdruck nach der Geburt. Das Thromboserisiko ist in den ersten Wochen nach der Entbindung deutlich erhöht, deshalb werden die Beine in dieser Zeit nur sanft und nie bei Beschwerden behandelt. Im Zweifel zuerst Hebamme oder Frauenarzt fragen.

Was ist der Mama-Daumen und hilft Massage dagegen?

Der Mama-Daumen ist eine schmerzhafte Reizung der Sehnenscheiden an der Daumenseite des Handgelenks, medizinisch Tendovaginitis de Quervain. Er tritt bei frischen Müttern häufig auf, weil das ständige Hochheben des Babys mit hormonbedingt geschwollenem Gewebe zusammentrifft. Eine sanfte Behandlung von Unterarm und Hand kann die umliegende Muskulatur entlasten. Die entzündete Stelle selbst wird nicht kräftig massiert, bei anhaltenden Schmerzen gehört die Hand zum Arzt.